Altes Knasthaus Fronveste

 

Was würden sie uns wohl berichten, wenn die dicken Steinmauern, Zinnen und Zellen erzählen könnten...? Aus einem vor Zeiten „Ort des Unbehagens" ist heute ein gemütlicher Irish Pub mit Biergarten und einem kleinen Freisitz über die vom Werra-Wasser gespeisten Bleichgräben entstanden. Dazu lädt ein separater Zellentrakt bei einem zünftigen „Knastessen" zum urigen Verweilen ein und verspricht ein Gastronomieerlebnis der etwas anderen Art. In der Nähe des Töpfemarktes, dem ältesten Stadtgebiet Meiningens gelegen, befinden sich heute in den historischen Gemäuern ansprechende Übernachtungskapazitäten nicht nur für Reise- und Busgruppen sowie Tagungen - das Haus gilt auch als ein idealer Anlaufpunkt für Radfahrer, Wanderer oder Schulklassen etc..


Gefängnisbau ...
Erste Erwähnung findet der Ort, an dem sich die heutige Fronveste befindet, durch den Bau eines Minoritenklosters in den Jahren 1239 - 1242. Ab Mitte des 16. Jh. wurde diese dann als Wohnsitz der hiesigen Waisenpfarrer genutzt. Seit 1816, nachdem der Untere Turm eingelegt wurde, diente das Gebäude als Wohnbehausung des Amtsdieners und erstmals auch als Gefängnis. Durch den Beschluss, das Untersuchungsgefängnis des Landgerichtlichen Bezirkes im städtischen Gefängnis unterzubringen, folgte im Jahre 1842 der Abriss der westlichen Anlage. Bereits ein Jahr nach der Bekanntgabe, einen Neubau errichten zu wollen, begann 1844 unter der Leitung von Hofbaurat August Wilhelm Doebner (1805-1871) der Bau einer neuen, vom neogotischen Stil geprägten, Haftanstalt. Bis zur Fertigstellung im Jahre 1845 entstanden unter den Händen von Baumeister Amalius Späth und weiteren 50 Handwerkern 18 spartanische, nur mit einer Holzpritsche ausgestattete Zellen, ein Vorführzimmer, 2 Zimmer und 2 Kammern für den Gerichtsdiener, eine Mägdekammer, eine Küche sowie eine Speisekammer. Doch der 20.939 Gulden und 25 Kreuzer teure Gefängnisbau, dessen erster „Gast" der Advokat Georg Zeiss war, verlor bereits ein Jahr später seine „Jungfernschaft", als nämlich dem als Dieb inhaftierten Christoph Müller in der Nacht vom 23. zum 24. August 1846 der Ausbruch gelang. Da bereits einige Jahre später sämtliche Kapazitäten ausgelastet waren, wurde als Erweiterungsbau im Jahre 1879 ein Backsteingebäude errichtet, welches 1881 erstmals auch als Amtsgerichts- und ab 1888 sogar als Landgerichtsgefängnis Erwähnung findet. Ein weiteres Mal in die Schlagzeilen kam das Gefängnis 1899 durch einen spektakulären Ausbruchsversuch eines gewissen Alexander Klein, der jedoch durch die Wärter vereitelt werden konnte. Im Jahre 1938 wurden dann beide Gebäude Justizvollzugsanstalt des Landgerichtsgefängnisses des Deutschen Reiches und nach dem 2. Weltkrieg wurden sie bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1963 als Kommandantur und Untersuchungsgefängnis von der Russischen Besatzungsmacht genutzt. Seit dem waren dort ein Teil der ehemaligen HO - Verwaltung, des Dienstleistungskombinates und der Blitz - Dienstleistungs- und Handels GmbH untergebracht. Im Jahre 1997 wurde der Gebäudekomplex von F. Prox aus Arnstadt erworben, die alte Fronveste von ihm umgebaut und bis 2005 als Gaststätte genutzt. Mit dem Verkauf an den Hotelier Uwe Klein begann 2006 deren Umgestaltung zum Pub sowie der komplette Umbau und die Erweiterung des Ensembles zum Gruppen- und Erlebnishotel mit Bankettraum, Biergarten und einem Skyline - Restaurant über den Dächern von Meiningen.

 

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